Aktiv/Passiv bei Männern vs. ihre Identität

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JasminRheinhessen
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Aktiv/Passiv bei Männern vs. ihre Identität

Beitrag von JasminRheinhessen » 24 Mai 2015, 14:41

die Antwort auf diese Frage sagt viel...
...über die geschlechtliche Identität,
bzw. die Suche nach dieser aus.

Es gibt viele Männer, die sich selbst eher als hetero einordnen würden,
und mit der Fantasie kokettieren, einmal "genommen" zu werden,
also passive Penetration zu erleben.

Sie geben damit ihrer (meist großen) weiblichen Seite eine Chance,
diese aus ihrer Verdrängung und Blockade zu lösen,
meist ist das gar nicht so einfach, wie man glauben könnte.

In der Regel bleiben diese Gedanken immer eine Fantasie.
Einfach weil das gesamte Umfeld diese sexuelle Spielart nicht mittragen würde,
verheimlichen ist für viele nicht möglich, also lässt "Mann" es einfach.
Oder "Mann" ist nicht bereit, das Risiko des Entdecktwerdens,
mit allen Folgen tragen zu wollen.

Den Schritt, seiner Partnerin einen Umschnalldildo unter die Bettdecke zu legen,
um ihr damit zu sagen, was gewünscht wird,
ist für viele ein NO-Go.
Zu lange sind sie in der autoritären Männerrolle, die das patriarche System
verlangt bereits gefangen und darauf konditioniert, und könnten sich niemals gegenüber ihrer Frau, für die sie ja "der starke Mann" sind, outen.

Dieser Gedanke ist für sie undenkbar und indiskutabel, völlig abwegig für die meisten.

Nicht einmal in einem frivolen Umfeld, wie in einem Swingerclub,
der sich eher dem heteronormativen Sexpraktiken verschreibt,
wäre dies etwas, was man so nebenbei mal erwähnt, schwierig bis aussichtslos.

Was machen diese Männer ?

Sie besuchen Parkplätze, Autobahnparkplätze, Cruising Areas.
Das Schwulenmileu.
Dort fühlen sie sich meist deplatziert. Sie denken gar nicht daran,
sich als schwul zu sehen. Sie sind verheiratet und stehen auf Frauen.
Ups !

Und jetzt haben wir sie, die Klischee-Kollision des Mainstream,
die keine Identitäten kennt und alles auf sexuelle Präferenzen herunterbricht.

Nein - diese Männer sind eben nicht schwul.
Sie haben einen hohen weiblichen Anteil, das ist alles.

Wird dieser mit ausgelebt, führt das eben zu einer Identität,
die z.B. switched, die einfach "auch mal" weiblich sich fühlen möchte.
Die Frau in ihm ausleben möchte.

Und dann entstehen Fantasien, die Lesbe (mit echtem Strapon)
sein zu wollen, für die Partnerin,
oder vielleicht die Frau für einen Mann.

Wobei, und dass ist charakteristisch, das Aussehen des penetrierenden Mannes
hier meist keine große Rolle spielt für das Ausleben dieser Weiblichkeit,
sondern eher das Begehrtwerden, die Penetration ist das Wesentliche.
Hier ist deutlich der Unterschied zu sehen zu einem schwulen Mann:
Dieser hat meist genaue Vorstellungen von einem Männerkörper,
der ihm gefällt oder nicht. (jung, alt, Bart, Leder, Matrosentyp usw)

Ein Mann, der seine weibliche Seite ausleben möchte,
ihm kommt es in erster Linie darauf an, dass er sich reflektiert sieht,
im Verhalten des Mannes.
Das kann schon erfüllt sein, wenn ihm ein Mann in einer Cruising Area hinterherläuft.

Er träumt davon, dass er sich hier nun in der weiblichen Rolle befinden darf,
meist sieht der Verfolger bei seiner "Beute" aber nur einen Männerkörper,
der ihm gefällt, da dieser Verfolger einfach "schwul" ist.

Diese verschiedenen Intentionen in dieser Konstellation führen irgendwann
bei dem "weiblichen" Mann dazu, dass der Reiz sinkt für ihn,
von einem Mann "verfolgt" zu werden,
ohne sein Äußeres so zu verändern,
dass er zumindest die Hoffnung haben könnte,
dass dieser ihn aufgrund seiner weiblichen Reize verfolgt.
Ups !

Dann haben wir sie: Die Feinstrumpfhose und den Slip,
evt. die Perücke... und ... beliebig fortsetzbar.

Ja - und wenn diese "weibliche" Seite dieses Mannes evt. sogar größer ist,
wie seine männliche, könnte dieser Mann eines Tages realisieren,
dass er "eine Frau ist".
Dann haben wir das Phänomen, dass wir unter dem Begriff "Transfrauen"
verhandeln.

Es ist nur eine Frage, wie groß der weibliche Anteil ist,
wenn dieser eher keine Rolle spielt, und ein Mann mag passiven Sex
(mit einer Frau mit Strapon oder einem Mann)
sehe ich hier die aktive Vorliebe für Männer, die es mitzubefriedigen gilt,
also eine klassische bisexuelle Atittüde.
Da diese Männer in ihrem Verhalten keine Weiblichkeit verbinden,
sie sehen sich als Mann der passiv ist.
Wobei hier oft die Verdrängung (durch Erziehung) keine andere Sichtweisen zulassen.

Bei einem Mann, der aktiv mit einem Mann zusammen sein möchte,
sehe ich keine weiblichen Anteile, die es "mit auszuleben" gilt,
sondern eine bisexuelle bis schwule sexuelle Präferenz.

Spielt aber die weibliche Seite, im Sinne von Yin und Yang die entscheidende Rolle,
und wird diese auch innerlich bejaht und zugelassen,
geht es um die Identität, die getriggert werden möchte.

Transfrauen, die nicht operiert sind, also mit dem "Extra" zwischen den Beinen,
ziehen oft weibliche Männer an, die penetriert werden wollen,
und - weil sie eben nicht schwul sind, wie das Klischee uns in den Medien immer sagen will - die durch eine Transfrau die Brücke zu ihrer Leidenschaft schlagen:

Die bereits begehrte Frau wird nur getauscht durch eine Frau mit dem "echten Strapon".
Dieser Sprung ist bedeutend leichter zu bewerkstelligen,
als einen Mann als Partner auszuwählen,
dazu sind die meisten eben nicht mehr bereit,
oder salopp gesagt: "zu wenig schwul", oder in diesem Fall besser "bi".

Ein Mann, der passiven Sex für seine weibliche Seite braucht,
ist in erster Linie hetero:
Mit einem Mann zusammen desshalb, weil er seine weibliche Seite mit
diesem Mann ergänzt.
Mit einer Frau zusammen desshalb, weil diese immer noch seine männliche
Seite am meisten zu triggern vermag,
da er sie als Partnerin gewählt hat, ohne sich zu outen,
und diese Frau ihn "als Mann" immer noch sieht und bisher immer gesehen hat.
(und nicht als Transfrau, was eine lesbische Konstellation mit seiner Identität dann ergeben würde)

Vielleicht konnte ich etwas Licht ins Dunkel bringen,
wie weit aktiv/passiv bei einem Mann mit der Identität zusammenhängt.


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