"Intersexuelle Identitäten"

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JasminRheinhessen
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"Intersexuelle Identitäten"

Beitrag von JasminRheinhessen » 04 Dez 2014, 12:44

Warum wir alle Intersexuelle Identitäten haben...
und das duale Geschlechterbild verhindert, dass wir glücklich werden.

Dieser Artikel beginnt mit einem Satz,
der gleich mit einem Vorurteil aufräumt,
das das duale Geschlechtersystem,
wo alles schwarz, weiß zu sein hat,
binär, 0 und 1,
männlich und weiblich,
und alles was "zwischen" ist, als
unnormal, krank, abnormal, änderungsbedürftig gilt.

Alle Dinge, die uns in dieses künstlich herbeigewünschte duale Geschlechterbild pressen,
machen uns unglücklich.

Denn sie verhindern, dass wir uns in Harmonie befinden können.

Sie verhindern das Frauen ihren Yang-Anteil leben und Männer ihren Yin-Anteil,
und wenn sie es tun - bekommen sie nur von einer Minderheit Jubelrufe entgegengebracht,
diejenigen die die Nase rümpfen sind die Mehrheit und sie sind es,
sie sind die Ursache,
der dazu führt, dass mein einleitender Satz,
vielen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert,
ein Lächeln, da dies Unsinn sei.
Aber genau dies ist der Beweis,
das mein einleitender Satz,
wahr ist.

Denn wer aus Unkenntnis und Unwissenheit lächelt und etwas abstreitet, hat ein Problem.
Er verdrängt etwas, bewusst oder unbewusst.
Und wer etwas verdrängt, kann nicht mehr objektiv und sachlich darüber reflektieren.

Ein Tom-Boy, eine Cis-Frau, die vielleicht ihre Rolle wechselt durch ihre Kleidung,
oder vielleicht ist es mehr ? wer weiß es genau ?
Möchte sie es zugegeben ?

Und wenn nicht, wird sie es genau aus dem Grunde nicht zugeben, denn ich gerade anführte:
Sie will die rümpfenden Nasen abwehren, die sie stören in ihrem Glück.

Es sind die, die an dem dualen Geschlechtersystem festhalten, die rümpfenden Nasen,
was natürlich auch den Rollenzwang und die entsprechenden Erwartungen beinhaltet.

Was abweicht, muss angeprangert werden.
Ok - als Quotenbringer in den Medien immer gern gesehen und legitim,
oder heimlich vereehrend,
aber nicht im Alltag,
wenn ich zugeben sollte,
dass ich das duale Denken verlasse,
und das passiert bereits,
wenn ich nur sexuelle Präferenzen zulassen möchte,
die "Nicht-Hetero" sind, wenn ich zugebe das ich bi bin,
bereits hier, gerät das duale System in Gefahr.

Denn ein Mann der auf einen Mann steht - und "weiblich tut"(SIC!) -
hat ja schon dieses duale System gesprengt,
obwohl wir hier noch nicht einmal im Identitäts-Diskurs sind,
sondern uns nur auf der sozialen Ebene der Geschlechterrollen befinden.

Der Mann, der vielleicht "keiner ist" ,
sondern eine falsch zugewiesene Frau,
hat es hier noch schwerer wie eine Tom-Boy Frau,
die vielleicht eine männliche Identität in sich trägt,
aber sich nur als Tom-Boy outet, sie wird maximal als Lesbe gesehen,
...das ist zu ertragen.

Der Mann, der sich in ähnliche Wünsche und Identitäts-Selbstfindungsexkursionen begibt,
würde gerne zum Rock greifen, aber was passiert dann ?

Ein Aufschrei geht durch das Publikum: Haben wir Karneval ?
Ist "Er" pervers ?
Verrückt ?
Schwul ?
Eine Tunte ?
Oder so ein Verrückter, die man ab und an "im Fernsehen"(SIC!) sieht ?

Völlig sinnlos.
Und krank fühlt sie sich auch nicht.
"SHG Selbsthilfegruppen" findet sie abscheulich.
Sie fühlt sich gut - nur die Gesellschaft findet sie nicht gut - wenn sie das lebt was sie innen ist -
die Frau in sich.

Und "er" ist sie für sich schon lange nicht mehr.
Nur wissen dass die anderen nicht.

Und verstehen würden sie es auch nicht, wenn sie es ihnen sagt.
Für was sollten sie sie halten ?
Für transsexuell ?
Dann müsste sie ja zumindest leiden und ihren Penis hassen,
meinen zumindest einige TS(SIC), die sich von anderen, die ihr Genital behalten wollen abgrenzen wollen,
den liebt sie aber.

Uh !
Er/Sie verlässt das duale Geschlechtersystem bereits in seinen Gedanken
und führt diesen Gedanken mit seinem Körper fort und endet in der Gesellschaft in einem Vakuum.

Kein Stuhl steht für sie bereit,
wo sie Platz nehmen könnte.
Die Frau im Tom-Boy Look - und da gibt es viele, ist das Pendant zu ihr.
Die Tom-Boy hat keine Schwierigkeiten, die anderen Frauen erkennen ihre Identität sofort - sie "verstehen" sich.
Sie hat viele Freundinnen - sie ist bi - Männer finden das auch anziehend -
sie können dann ihre weibliche Seite "heimlich" ausleben - mit anderen Männern würde das ja "aufallen".

Dann könnten sie (diese Männer) ja für schwul gehalten werden - nein -
lieber ein burschikose Frau - gibt ja Umschnalldildos.

Die Tom-Boy hat eine Lücke gefunden - sie entsteht dadurch,
dass die Frauen in männlicher Kleidung nicht auffallen -
sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen - und es gibt im Prinzip -
wenn wir es genau betrachten mehr Tom-Boys als Girlies -
als Frauen die betont weiblich gekleidet sind.

Die Tom-Boy-Frauen, und die Männer und Frauen die diese vereehren -
sie sind für mich alle in ihrer Identität nicht im dualen Geschlechtermodus -
aber es fällt ja nicht auf.

Ein bisschen bi schadet nie - und die Lesben - das ist sowieso chic -
Zumindest envogue und modisch, wenn nicht immer akzeptiert, keine Frage.
" I kissed a girl" - das kann nicht nur Katy Perry von sich sagen -
Männer die sich küssen ? das geht gar nicht.

Weder auf der Strasse noch im Swingerclub.
Selbst an einem Club-Bi-Abend ist das nicht gerade das Highlight des Abends,
da geht "mann" lieber in eine dunkle Ecke.

Nein -ich spreche nicht von sexuellen Präferenzen,
sondern von Identitäten -
und diese sind -bisher in meiner Aufzählung - "zwischen"
- und nicht dualgeschlechtlich definiert.
Und "zwischen" heißt nichts anderes als
"IS-Identitäten" zu haben,
genau wie es "IS" in körperlicher (Hormonlage, Chromosomen, Gonaden), genitaler, Hinsicht gibt.


Und jetzt kommen wir zu den Folgen, des Zwanges - nicht Zwischen sein "zu sollen" -
was genauso viel heißt es nicht sein zu dürfen.

Eine Frau die Karriere in der Männerwelt machen will,
sollte nicht "zuviel" lesbisch sein - sonst könnte sie über einen Mann stolpern,
der sie fallen lässt, und das wars dann mit dem Traumjob.
Wen sie "nein sagt", wird sie fallengelassen. Frauen die sich hier dem Patriarchat unterordnen
und somit prostituieren, prostituieren deshalb, weil sie es nur aus opportunen Gründen tun,
einen Vorteil daraus erhalten, sind meist sehr erfolgreich -
ihre "Lesben" Identität sollten sie aber an der Garderobe abgeben -
Bi vorzugeben ist von Vorteil - um dieses Spiel ertragen zu können -
sofern man bei Sex auf Sympathie und Liebe angewiesen sein sollte.

Heißt:
Das Patriarchat fordert eine dualgeschlechtliche Frau, die sich - und das nur nebenbei bemerkt - unterordnet.
Das Gegenteil ist eine Lesbe.
Nicht umsonst war es bis zur Frauenbewegung Ende des 19 Jhd. für einen Mann nicht tragbar,
wenn seine Frau als bi oder lesbisch geoutet wurde,
das war für sein männliches Umfeld nicht standesgemäß,
dieser Mann wurde diskreditiert, sein Ruf war ruiniert,
er musste sich von ihr trennen, oder er verlor seinen Status.

Eine "Bi" darf heute schon hoffen.
Ein Mann geht auch mal mit 2 Frauen ins Bett.
Da kann "Mann" schon mal darüber hinwegsehen, dass sie nicht nur bi, sondern eventuell auch lesbisch sein könnte.

Das Patriarchat fordert aber auch Männer. die keine Röcke tragen dürfen -
das sind Verräter.

Sie müssen von den Männern beschimpft und verspottet werden, sonst kratzen sie an der Autorität des "Mannes".

Ausserdem erinnern sie ihn daran, dass er seinen Yin-Anteil verdrängen muss,
um keinen tuntenhaften Eindruck bei seinen Kumpels zu hinterlassen.
Die Kumpels sind die, die seine Anerkennung sichersetllen,
Die Anerkennungswährung unter Männer zählt nur dann wen sie von Männer bezahlt wird,
nicht von Frauen.

Tuntig unter "richtigen Männern". Das geht gar nicht.
Warum waren Songs wie Grönemeyers "Wann ist ein Mann ein Mann?" so erfolgreich ?
Weil sie genau diese Klischees hinterfragt haben,
und die Tür öffneten, diesen nicht enstprechen zu müssen.

Eine Tunte, - also gut - aber dann muss dieser Mann zumindest "krank" sein und mindestens eine gaOP machen,
damit der Teil weg ist, der den Mann von der Frau unterscheidet -
zumindest für patriarchisch denkende Gehirne.

Wer sich also erdreistet, seinen Penis in seine weibliche Identität zu integrieren,
kann nicht als Frau gesehen werden.

Von den Männern die patriarchisch denken ein nogo -
sonst gäbe es ja Frauen mit Penis - wo landet denn dann das elitäre Patriarchat ?


Und die Akzeptanz von den Frauen ?
Nein, von den Frauen auch nicht, denn diese sehen ihre letzte Bastion in Gefahr,
die sexuelle Macht, die sie über die Männer haben,
diese ist auf ihre Vulva fokussiert -
es darf nicht sein, dass ein "Mann in Rock" mehr sexualle Macht hat,
als sie selbst über einen Mann !

Natürlich nicht.

Und wenn - muss dieser schwul sein -und nicht als Frau akzeptiert werden.

Das geht schon aus Gründen des eigenen Stolzes nicht.

Es ist einfacher, einen Mann an einen Schwulen zu verlieren,
als an eine Frau, weil sie einen "langen Kitzler" hat.

Und wenn es nur den Abend an der Bar betrifft.
Das darf nicht sein, dass das Frauen sind !

Das sie nun schon auch Brüste haben ist schon schlimm genug.
Das muss bekämpft werden. Sie sollen sich gefälligst operieren, damit die Waffen die gleichen sind.

Das duale Denkmuster greift hier auch wieder ein -
und baut die Mauer in Richtung Männerwelt und in Richtung Frauenwelt steil nach oben auf -
keine Chance für "Zwischen."

Und Zwischen sind nichts anderes als "intersexuelle Identitäten" - das ist die unsichtbare Variante
der körperlichen Intersexuellen.
Vom Genital abweichende Geschlechtsidentitäten sind aber dann auch körperliche IS,
wenn wir das Gehirn als geschlechtsbestimmende Komponente mit in den Würfelbecher nehmen.

Alles kann erwürfelt werden - nicht nur gemischte sekundäre und primäre Geschlechtsmerkmale.
"nicht passende" Hormonlagen, Gonaden, Chromosomen-Varianten.

Wenn das vom Genital abweichende Gehirn keinen CIS-Frau oder CIS-Mann ergibt -
haben wir eine IS-Identität.
Alle Bi-Menschen sind IS-Identiäten, Bi zu sein ist die Folge dieser.

Und wenn wir weiter denken, gibt es dann kein hetero mehr,
da immer ein kleiner Teil des anderen Geschlechts auch anziehend ist
- auch wenn er noch so klein ist.

In dem Moment wo ich auch nur einen winzigen Yin oder Yang Anteil habe,
und diesen auslebe,
bin ich bi -und habe auch eine IS-Geschlechtsidentität.

Der vom Körpergeschlecht abweichende Yin oder Yang -Anteil ist der Mix. Das Zwischen.

Dieser Mix, die Gewichtung von Yin und Yang,
färbt meine Bi-Neigung, die stärker oder schwächer ausgeprägt sein kann.


Lebe ich sie oder lebe ich sie nicht aus - das ist dann die Frage.

Es gibt verschiedene Gründe sie nicht auszuleben:
Ich möchte kein Nasenrümpfen erzeugen,
oder ich verdränge es selbst.

Dann bin ich autohomophob oder autotransphob -
da ich zu stark dualgeschlechtlich geprägt wurde, durch meine Erziehung,
und die Komplexe ein Integrieren in meine sexuelle Identität unmöglich machen -
ein hohes Pfand der dualgeschlechtlichen Denkweise und Erziehung,
des dualgeschlechtlichen, genitalan Weltbildes, das Zwischenstufen wegschweigt.


Gerade diese Menschen leiden sehr unter dieser Disharmonie in der Gesellschaft,
unter der Unmöglichkeit, dies der Gesellschaft in einem positiven Impuls zu vermitteln,
viele flüchten in Travestie - in Rollen. Hier haben sie keine Fragen zu beantworten,
müssen sich nicht rechtfertigen.

Leidenschaft oder gar Ekstase beim Sex sind hier verbaut - da ist zuviel Maske und Rolle -
zu wenig Authentizität und losgelöste Gefühle.
Außerdem ziehen sie durch ihre "Rolle" nicht die Menschen an, die sie finden sollen.
Sie maskieren sich selbst.
Das macht ihre unsichtbare Identität doppelt schwierig für andere,
diese zu sehen, zu entdecken.

Bei falsch zugewiesenen Frauen oder Männern, die unbedingt eine geschlechtsangleichende OP benötigen,
sich wünschen um in Harmonie zu kommen, dürfte dieser Ansatz,
dem dualgeschlechtlichen Denken folgen zu müssen und damit zu wollen, der Hauptgrund für ihr Leid sein.

Würden sie das Zwischen akzeptieren können, für sich,
hätten sie nicht diesen hohen Angleichungszwang und - druck.
Natürlich haben sie keine Option.
Die einen können es, die anderen nicht.

Aber wenn sie es können, braucht es dazu auch eine Gesellschaft die das mitträgt,
aber diese denkt ja auch dualgeschlechtlich - zumindest offiziell
- heimlich wird auch schon mal das gemacht, was der Trieb (das verdrängte Yin und Yang) erfordert
- soweit es die Verdrängung zulässt.

Wenn Du also glücklich werden willst - weißt Du was zu tun ist.

Lebe deine intersexuelle Geschlechtsidentität.


Jasmin.




Indizes:
Fremdbestimmung - FYG0019



Bild

"Chloris - A Summer Rose"
John William Godward
before 1902



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