im Diskurs gibt es 2 Gechlechterdefinitionen - biologisch und soziales Geschlecht

Antworten
Benutzeravatar
Carol Rose
Beiträge: 147
Registriert: 11 Sep 2019, 09:27
Wohnort: Münster
Kontaktdaten:

im Diskurs gibt es 2 Gechlechterdefinitionen - biologisch und soziales Geschlecht

Beitrag von Carol Rose » 10 Dez 2020, 11:49

Gegenstand meiner Betrachtung ist eine Reflektion der Autorin Elisa Nowak auf Freitag.de - es ging primär um die Akzeptanz des Outings
von Elliot Page in der Öffentlichkeit, ihr Statement offenbart aber das Urproblem im TS-Diskurs:
Es wird um Gender geredet, und es wird biologisch (beim politischen Gegner) gedacht.

Der Artikel von Elisa Nowak vom 7. Dezember 2020
Vom Deadnaming und anderen Schwierigkeiten

auweia - ich habe mir einige Elisa Nowak Artikel auf Freitag durchgelesen, um ihre Haltung zu verorten. Sie nutzt eine sehr eloquente Sprache, es fällt daher etwas schwerer zu durchleuchten, was sie tatsächlich meint, da sie sehr viele Begriffe verwendet, die der gewöhnliche Leser nicht kennt.
Das ist kein Vorwurf, sondern nur eine Feststellung, hier nicht in das Gefühl zu verfallen, alles wäre durchdacht und würde schon passen...
Im letzten Absatz der Einlassung auf die Reaktion der Presse und politischen Gegner zum Outing von Elliot Page offenbart sich für mich das Dilemma des Trans-Diskurs in seiner ganzen Breite.
Nämlich dadurch, dass Elisa Nowak hier das Gender vom "biologischen Geschlecht" abtrennt und es als Befreiung von "transgeschlechtlichen" Menschen ansieht, diese nicht an ihrem biologischen Geschlecht festzumachen, womit sie anscheinend, und nur das kommt für mich infrage, genitalistisch denkt, in Bezug auf das AMAB und AFAB-Geschlecht. Sie "befreit" also transgeschlechtliche Menschen, indem sie das Gender-Geschlecht als das Geschlecht auf ein Podest stellt, dass neben einem biologischen Geschlecht die gleiche soziale Power und Durchschllagskraft haben soll, wie das biologische.
Zitat:
"In letzter Konsequenz muss auch der Widerspruch zwischen Cis- und Transgeschlechtlichkeit aufgehoben werden. Die Geschlechtszuschreibung wird hier ebenfalls vom biologischen Geschlecht abstrahiert, die es besonders transgeschlechtlichen Menschen erschwert, eine völlige Anerkennung zu erlangen. Eine weibliche, männliche oder weitere Geschlechtszuschreibung soll und muss nur anhand des Gender gefällt werden, unabhängig vom biologischen Geschlecht. Diese Geschlechtszuschreibung kann freilich nur individuell geschehen. "
Genau diese Haltung löst die Argumentation der politischen Gegner nicht auf, sondern belässt sie in ihrem "Rechthaben"-Gefühl. Geschlecht wird somit für den politischen Gegner zur Beliebigkeit, womit sie logischerweise Recht haben.
Wenn wir so argumentieren wollen, reden beide Diskurs-Gegner von 2 verschiedenen Geschlechtern, die einen vom biologischen, die anderen vom Gender-Geschlecht und es entsteht der Anschein, als würde es nur darum gehen, das Gender, im Sinne von Elisa Nowak das selbstbestimmte, selbsterklärte Geschlecht, mindestens gleichwertig, sozial betrachtet aber sogar über dem biologischen Geschlecht zu stellen.
Dieser Dualismus im Diskurs ist das Problem. Es wird nämlich versäumt, bei aller Transgender-Begriffs-Liebe, zu erklären, warum denn eine selbstbestimmte Definition eines Individuums überhaupt entsteht. Und hier sind wir im biologischen Bereich. Dieser wird aber nicht weiter benannt, sondern wir bleiben im Pippi-Langstrumpf Narrativ. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.
Diesem Narrativ versucht Elisa Nowak zu entkommen mit dem Satz:
"Und hiernach will Elliot Page nicht Mann sein, sondern er ist, spätestens seit dem Zeitpunkt, als es ihm selbst bewusst war. So auch alle anderen Menschen, deren Gender dem biologischen Geschlecht konträr oder nicht vollkommen identisch ist."
Ja, sie geht hier darauf ein, dass Elliot sich nicht etwas wünscht, sondern das er "IST", also das "SEIN" erkennt sie, und stellt es über den Wunsch. Ja, das SEIN lässt den Wunsch entstehen und nicht umgekehrt. Aber:
Solang wir im Diskurs nicht ausführen, woher das "SEIN" denn kommt, wird der politische Gegner immer wieder bei seiner Argumentation bleiben: Wir würden das Geschlecht zur Beliebigkeit machen.
Die Autorin kennt also ein biologisches Geschlecht (AMAB, AFAB) und ein Gendergeschlecht. Es geht ihr in ihrem Artikel nur noch darum, das Gendergeschlecht mit gleichen Rechten neben das "eigentlich biologische" Geschlecht zu stellen.
Fatal: Dann können wir unseren Begriff "Transsexualität", der sich auf Angeborenensein bezieht, entsorgen.
Paradox: Der Begriff "Transsexualität" wird in der Überschrift verwendet.



Antworten

Zurück zu „geschlechtersensibles Formulieren“